Johanniterkirche zu Mirow

Glaube und Verantwortung

"Wie sieht das denn aus - eine Kirche ist doch kein Kraftwerk !". So haben einige im ersten Moment auf die Idee, auf dem Kirchdach mit Sonnenenergie Strom zu erzeugen, reagiert. "Gut - wenn es uns hilft, unsere Kirche zu erhalten, warum eigentlich nicht...", sagten Andere.

Natürlich ist die Kirche nicht zuerst dazu da, elektrische Energie zu erzeugen. Sie ist dazu da, das Evangelium Jesu Christi weiterzugeben. Aber genau damit ist sie seit Generationen von Menschen zwar nicht Quelle, wohl aber Vermittlerin von Kraft und Hoffnung : "Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist's eine Gotteskraft... .Wir predigen den gekreuzigten Christus, den Einen ein Ärgernis und den Anderen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit." (1. Kor. 1,18.23f.) In diesem übertragenen Sinn ist Kirche also sehr wohl ein Kraftwerk : Wir sind dazu da, Gottes Wort so weiter zu geben, daß es zur Kraft und Hoffnung für's Leben möglichst vieler Menschen wird. In der Gestaltung unserer Kirche in Mirow ist das ausdrücklich geworden : Der gekreuzigte hängt nicht, er steht am Kreuz : Er ist und bleibt Herr über Leben und Tod - Lebens- kraft strömt von ihm aus. Warum also nicht gerade diese Kirche auch zum Kraftwerk im modernen Sinn zu machen?
Wir leben in einer Zeit der Umbrüche. Daß die Vorräte an fossilen Brennstoffen, deren gespeicherte Energie sich in Strom umwandeln ließe - Kohle. Öl, Erdgas - begrenzt sind ist kein Geheimnis mehr. Weiterhin Energie aus Kernspaltung zu gewinnen, ist keine mehrheitlich akzeptierte Lösung, zumindest solange das Problem der radioaktiven Abfälle nicht gelöst ist. Energie aus Kernfusion gewinnen zu können ist bisher eine Vision. Und es hat sich herum gesprochen, daß eine weitere zunehmende Verbrennung der fossilen Rohstoffe zur Energiegewinnung durch die unweigerlich folgenden Klimaveränderungen das Leben auf unserer Erde garantiert und berechenbar gefährdet, während die Nutzung der Atomenergie "nur" im Falle einer Panne gefährlich würde ...

Die bisher beschrittenen Wege, Energie zu gewinnen, sind damit keine nachhaltigen Lösungen. Was also tun ? Wir haben Verantwortung für die uns anvertraute Schöpfung Gottes, davon spricht deutlich die Erzählung im 1. Buche Mose: "Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden... Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaute und bewahrte." (1. Mose 2, 8a.15)

Energie zu gewinnen aus Sonnenlicht, gerade auf dem Dach einer Kirche - damit setzen wir ein Zeichen, sinnvoll und bewahrend mit den uns anvertrauten Gaben der Schöpfung umzugehen. Und helfen zugleich durch den zu erwartenden Ertrag aus der Stromerzeugung, einen Teil des zur Erhaltung dieses großartigen Bauwerks dringend nötigen Geldes aufzubringen.