Johanniterkirche zu Mirow

Die Glocken - damals und heute

Die Hauptaufgabe der Kirchtürme, bevor sie zu Symbolen der Macht und des Reichtums der Städte bzw. der Patronatsherren wurden, bestand darin, in ihrer hochgelegenen "Glockenstube" die Glocken aufzunehmen, damit ihr Geläut über die Dächer der Städte und Dörfer hinweg zu Gottesdienst und Gebet rufen konnte. Aber auch bei Gefahren, wie Feuer oder Feindannäherungen, welche durch einen Türmer im Türmerstübchen erspäht wurden, vermochte das Geläut der Glocken die Menschen zu warnen.

Als nach dem Brand vom 04.09.1742 am 1. Advent 1744 die Kirche wieder eingeweiht werden konnte und im Jahr 1747 der Bau des massiven Turmes mit dem barocken Helm vollendet war, wurden 1747 drei neue Glocken gegossen. Hierzu verwendete der Glockengießer Chr. Daniel Heine in Güstrow zum Teil Material der alten, beim Brand von 1742 geschmolzenen Glocken.

Die größte Glocke hatte einen Durchmesser von 127 cm, die mittlere von 111 cm und die kleinste von 90 cm.

Diese 3. Glocke mußte wegen eines Sprunges 1866 vom Glockengießer Illies in Waren neu gegossen werden. Leider hing sie nur noch wenige Jahrzehnte im Turm, denn sie mußte im 1. Weltkrieg für den Krieg eingeschmolzen werden .Als am 15.03.1940 der damalige Generalfeldmarschall Göring die Ablieferung aller Bronzeglocken für den Krieg anordnete, wurde vom damaligen Pastor J. Noack in Mirow geltend gemacht, daß die beiden noch verbliebenen Glocken von 1747 unter Denkmalschutz stehen. So blieben sie 1940 noch erhalten, fielen aber dann doch am 1. Mai 1945 dem Brand der Kirche zum Opfer.

Nach dem 1950 vollendeten Wiederaufbau der Kirche wurde in dem provisorisch flach abgedeckten Kirchturm eine Glocke aufgehängt, die von der Kirchgemeinde Ganzkow bei Neubrandenburg im Krieg abgeliefert werden mußte, dann aber doch vor dem Einschmelzen verschont geblieben war. Da ihre Gemeinde sie zurzeit nicht brauchte, konnte sie hier in Mirow ihren Dienst tun. Anfang der 70er Jahre kam die kleine wertvolle Bronzeglocke (d = 520 mm, gegossen 1516) vom nicht mehr genutzten Friedhof in Mirow-Dorf (Retzower Straße) dazu.

Bald darauf begannen Verhandlungen mit der Glockengießerei Schilling in Apolda mit dem Ziel der Vervollständigung des Geläutes. Ein Berater von dort stellte fest, daß die beiden Glocken zwar zueinander paßten, jedoch ergänzend zu den von diesen erzeugten Tönen e' und h' müßten zwei weitere Glocken mit den Tönen d' und g' dazukommen.

Die finanzielle Belastung der Gemeinde durch den Orgelbau ließen die Bemühungen um die Glocken für Jahre zurückstehen.

Ende der 80er Jahre sollten dann die Glocken geliefert werden, doch die wirtschaftliche Entwicklung jener Jahre in der DDR ließ den Betrieb in Apolda auslaufen.

Nach der Wende übernahm die Glockenfirma Metz in Karlsruhe die Aufträge der Firma Schilling.

Als die Turmspitze im November 1993 vollendet war, konnte auf die Glockenbeschaffung zugegangen werden.

Da die Ganzkower Glocke von ihrer "Heimatgemeinde" zurückerbeten wurde, mußte bei der Neubeschaffung auf die größte, den Grundton angebende Glocke, verzichtet werden.

Zwei Glocken wurden neu gegossen, und zwar eine größere h' mit einem Durchmesser von 845 mm und der Inschrift "O LAND; LAND; LAND; HÖRE DES HERRN WORT" und eine kleinere Glocke d' mit einem Durchmesser von 660 mm und der Inschrift: "DONA NOBIS PACEM" (Gib uns Frieden).

In einem Festgottesdienst am 26.03.1995 wurden sie durch den damaligen Landessuperintendenten Winkelmann geweiht.

Bei ihrer Installierung in Höhe der alten Glockenstube wurde sie auch mit programmierbaren Läutmaschinen versehen. So kann sie nun täglich um 8.00 Uhr, 12.00 Uhr und 18.00 Uhr durch ihr Geläut die Einwohner unserer Stadt und ihre Gäste rufen.

 

Auszug aus der Läuteordnung:

Unsere Kirche weiht und verwendet die Glocken zu liturgischem Gebrauch. Ihr Geläute bildet einen Bestandteil des gottesdienstlichen Lebens in unserer Kirche.

Die Glocken rufen zum Gottesdienst, zum Gebet und zur Fürbitte.

Wie die Türme der Kirchen sichtbare Zeichen sind, die von der weitgehenden Welt weg nach oben zu dem Herrn des Himmels und der Erden weisen, so sind die Glocken hörbare Zeichen, die zum Dienst des dreieinigen Gottes rufen.

Sie künden Zeit und Stunde, erinnern uns an die Ewigkeit und verkünden unüberhörbar den Herrschaftsanspruch Jesus Christi über alle Welt.

Sie begleiten unsere Gemeindemitglieder von der Taufe bis zur Bestattung als mahnende und tröstende Rufer des himmlischen Vaters.

Weil die Glocken für den besonderen Dienst der Kirche ausgesondert sind, ist ihre Verwendung zu anderen Zwecken, insbesondere auch zu dem der Menschenehrung, ausgeschlossen.

Bei allgemeinen Notständen können Kirchenglockenden Dienst übernehmen, Menschen zu warnen oder Hilfe zu rufen.

Auch in diesem Falle mahnen sie alle Christen zum Gebet.

Unsere Läuteordnung orientiert sich an der Läuteordnung für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden in ihrer aktuellen Fassung.

 

 

 

Die Glocken im Turm der Johanniterkirche Mirow, von links nach rechts:

Dominica (2003)                    Ton: g‘

Durchmesser: 1005 mm

Inschrift:

Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.

Johanniterkirche Mirow zu Mirow 2003 mit dem Logo des Kirchturmvereins Mirow e.V. „Schau auf“

Taufglocke (1516)                  Ton: e‘‘

Durchmesser: 520 mm

Inschrift:

Anno domini dusent CCCCC unde XVI bi mi teves werd (im Jahre des Herrn 1516 von Mattheus Wiert, Glockengießer)

mit dem Wappen der Johanniter

 

Trauglocke (1994)                  Ton: d‘‘

Durchmesser: 660 mm

Inschrift:

Dona nobis pacem (Gib uns Frieden)

Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Mirow 1994, Karlsruher Glockengießerei

Beet-/Sterbeglocke (1994)     Ton: h‘

Durchmesser: 845 mm

Inschrift:

O Land, Land höre des Herrn Wort.

Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Mirow 1994, Karlsruher Glockengießerei